Die wahre, schöpferische Überwindung religiöser Erleuchtung aber liegt nun wahrhaftig nicht bei den Rauschgiften. Sie liegt in einer profanen Erleuchtung einer materialistischen , anthropologischen Inspiration, zu der Haschisch, Opium und was immer sonst die Vorschule abgeben können. (Aber eine gefährliche. Und die der Religionen ist strenger.)
Bereits in seinem Frühwerk protestiert Benjamin dagegen, das Esoterische mit dem schlicht Geheimnisvollen gleichzusetzen - vor allem nicht mit dem, was Geheimnis bleibt. Das würde die Erfahrung ja gerade auseinanderreißen, die Benjamin sehr früh als "einheitliche und kontinuierliche Mannigfaltigkeit der Erkenntnis" bestimmt. Damit würde sich wieder der Gedanken des 'verlorenen Paradieses' nahelegen, in der die esoterische Erfahrung noch möglich war - und so einen Mythos außerhalb der gesellschaftlichen und historischen Realität hypostasieren. Benjamin ist da vorsichtiger, und er kann seinen früh entwickelten Gedanken der Kritik - dem Geheimnis als solchem gerecht zu werden, ohne es aufzulösen - auf die Surrealistische Erfahrung anwenden:
Es bringt uns nämlich nicht weiter, die rätselhafte Seite am Rätselhaften pathetisch oder fanatisch zu unterstreichen; vielmehr durchdringen wir das Geheimnis nur in dem Grade, als wir es im alltäglichen wiederfinden, kraft einer dialektischen Optik, die das Alltägliche als undurchdringlich, das Undurchdringliche als alltäglich erkennt. Die passionierteste Untersuchung telepathischer Phänomene zum Beispiel wird einen über das Lesen (das ein eminent telepathischer Vorgang ist) nicht halb so viel lehren wie die profane Erleuchtung des Lesens über die telepathischen Phänomene.