Es mag ja auch sein, daß das Neue seine Faszination - kann man die leugnen, ohne bieder zu sein? - gar nicht den ach so vielen Möglichkeiten verdankt, seiner unglaublichen Handhabbarkeit. Es mag doch sein, daß es hier jedenfalls eine andere Faszination gibt, die darin begründet liegt, daß die neuen Welten wirklich noch nicht ganz angekommen sind - daß ihnen noch keine Erfahrungsweisen entsprechen. Solange, um konkret zu werden, via Internet vor allem Witze, Kontaktwünsche und bald Zahlungsaufträge ausgetauscht würden -, solange könnte doch um das ganze ein Hof von Phantasien spielen, paranoide, chiliastische, narzißtische.
Die Faszination, scheint mir, muß jedenfalls angesprochen werden und wirklich real genommen werden - ansonsten bleibt das, was man hier sagen kann, in der eigentümlichen Ambivalenz zwischen einer nüchternen Darstellung der Instrumente und den erregten Kommentaren über die 'allgemeine Bedeutung' dieser oder jener Technik. Das ist ein Feld - allerdings ein Feld, das eine ganz seltsame Konstitution hat. Es zu beschreiben als unlösbares Geflecht, heißt ja nicht, hier die einen oder anderen Faktoren bestimmend sein zu lassen - weder liegt 'alles' in der Technik bestimmt, noch 'alles' in den sozial kontrollierten Anwendungsformen. Die seltsame Zweideutigkeit, die die Faszination ausmacht, wird auch in der Beschreibung sein.
Walter Benjamin nennt so ein Feld einen Bildraum. Nicht nur deshalb, weil es hier ein visuelles Element - die Phantasien so wie die Illustrationen - das Wissen kreuzt, nicht nur deshalb weil das eine Art Gedächtnisraum ist - vor allem deshalb, weil es der Raum ist, in dem wir ein Bild von uns gewinnen können: genau von uns in der Gegenwart. Hier spielt sich die Praxis ab, von der oben die Rede ist, die Erfahrung, die wir hier machen können, übersteigt uns schon immer - daher ihre Macht. Die Fremdheit ist aber eben eine relative, genauer: eine, in der sich Faszination und Grauen mischen; daher kann es auch nicht darauf ankommen, diese neuen Welten ein für allemal in einen sicheren Griff zu bekommen. Es ist das Spielfeld, auf dem sich private, geschichtliche, gesellschaftliche Erfahrung abspielt und abspielen wird, wo jeder nicht bei sich bleiben kann, aber auch nicht schon durch den Rausch der Vernetzung beim anderen ist.