Zwischenresümee

 

Basierend auf McLuhans Ansatz lassen die neuen Entwicklungen des Internets die Vermutung zu, daß diese Computertechnologie als ein neues Medium der Kommunikation nicht nur die Wahrnehmung der Realität, sondern auch die Wahrnehmung der eigenen Person, des Selbst und der Identität beeinflußt und modifiziert.

Wenn der Mensch gemäß der Theorie des Konstruktionismus aufgrund neuer Erfahrungen auch immer zu neuem Wissen geführt wird, dann bringen die neuen Erfahrungen, die der User macht, einen Zuwachs an Wissen. Es bleibt eine offene Frage, inwieweit Technologie und damit auch die Internet-Technologie, die Art und Weise des Denkens und die Gesellschaft verändern wird.

Die Idee eines autonomen Individuums, das die Freiheit zu wählen und zu handeln hat, wird durch die neue Technologie massiv unterstützt. Wissen ist ohne Restriktionen für jeden jederzeit verfügbar und es liegt in der individuellen Verantwortung, was in Erfahrung gebracht bzw. gewußt wird. Zugleich kann aber eine überproportionale Repräsentanz westlichen Gedankenguts im Internet zu einer neuen Form des Kolonialismus führen. Studien zeigen jedoch, daß innerhalb bestehender Gesellschaftsstrukturen Unterschiede durch Internet-Technologie nivelliert werden können.

In der systemischen Perspektive wird Realität gesellschaftlich durch die Interaktion der Individuen konstruiert, ebenso wie Erkennen nicht etwas vom Erkennenden unabhängiges ist. Objektivität wird auf kommunikative Aspekte beschränkt und entspricht nicht mehr einer adaequatio rei et intellectus.