CMC ist im Vergleich mit anderen Kommunikationsformen durch die Reduktion von regulativem Feedback, auffallender dramaturgischer Schwäche, geringeren sozialen Hinweisen und größerer sozialer Anonymität gekennzeichnet. CMC impliziert eine verminderte sensorische Wahrnehmung, vermehrte Identitätsflexibilität, die Ausdehnung von zeitlichen und räumlichen Grenzen und erlaubt eine höhere Beziehungsvielfalt.
Begriff wie "Welt" oder "Raum" werden in der Beschreibung von zwischenmenschlichen Begegnungen durch CMC zu Metaphern. Die systemische Sichtweise sieht Raum als Ausdruck einer essentiellen Seinsweise, in der jede Handlung sowohl eine Veränderung des Raumes, den der Körper innerhalb des ihn umgebenden Raumes beansprucht, bewirkt, als auch zu einer zunehmenden Öffnung der inneren Welt des Individuums führt. Dies ist letztendlich zur Entstehung der individuellen Identität in einer zunehmenden Differenzierung und Bestimmung des inneren und äußeren Raumes notwendig. Raum ist eine universale Dimension des expressiven und sozialen Verhaltens, indem er das individuelle Territorium definiert, in dem das Individuum sich selbst finden und zugleich seine Beziehungen zu anderen Menschen leben kann. Gemeinsame Interessen und kommunikative Stile sind im Internet die einzigen Hilfsmittel zur Navigation dieses Raumes im Sinne des hellenistischen tópos, der neben Raum und Platz auch Thema bedeuten kann. Die umfassende Bedeutung dieses Begriffs veranschaulicht, wie weit die Dimensionen des menschlichen Raumes zu nehmen sind. CMC bringt in diesem Zusammenhang keine Aufhebung von jeglicher spatio-temporaler Dimension und führt keinesfalls zur Raum- und Zeitlosigkeit, sondern möglicherweise mehr zu einer Unabhängigkeit von Raum und Zeit, aber auf der Basis einer zugleich immerbleibenden Verbundenheit mit ebendiesem selbst. CMC macht vielleicht den tópos in seiner ganzen Breite erfahrbar.
Virtuellen Realitäten im weiteren Sinne sind im Grunde genommen zur Zeit noch nichts anderes als Visionen. Es bestehen Unterschiede zwischen Onlineleben und dem Leben außerhalb von Netzwerken in der Nähe, im Kommunikationsmedium und in der Redundanz von Information. Die Unterscheidungen sind klar, aber aufgrund dieser Merkmale eine dieser Aktivitäten als weniger sozial zu bezeichnen, scheint etwas unbedacht und dürfte eine zu sehr stereotypisierende Schlußfolgerung darstellen. Beide Formen der Kommunikation sind Typen von sozialer Interaktion.
Sobald von einer Virtualisierung der Realität gesprochen wird, wird damit bereits die ontologische Dualität von Realität und Virtualität, einer Sphäre des Seins und einer Sphäre des Scheins, vorweggenommen. Es werden damit ontologische Setzungen wie Realität versus Virtualität, Sein versus Schein, Wirklichkeit versus Bild oder Realität versus Simulation postuliert. Die Rede von einer Virtualisierung der Realität führt sich ad absurdum, wenn auf diese unhinterfragten Setzungen verzichtet wird bzw. wenn die "reale" Realität bereits als virtuelle Realität konzipiert wird. Dieser Zugang widerspricht einer radikal systemischen Sichtweise. Wenn die reale Welt bereits als virtuelle Welt begriffen und sie nicht als solche realisiert wird, sondern in den Handlungen und Kommunikationen fortwährend virtualisiert wird, so kann der Cyberspace im Sinne der Konstruktion einer computergenerierten artifiziellen Realität nur noch als Konstruktion hypervirtueller Wirklichkeit, d. h. als Virtualität (n+1)-ter Ordnung, modelliert werden. Das, was die CMC und das Internet im weiteren Sinne bringen, gilt unter dem Gesichtspunkt des systemischen Ansatzes bereits als "alte" Realität. Letztendlich bleibt der einzige Ausweg aus diesem Dilemma die Ausdifferenzierung der systemischen Grundhypothese, wonach das Objekt der Beschreibung vor allem durch die Beschreibung des Objekts selbst konstituiert wird. Aus diesem Blickwinkel treten unter anderem zwei Phänomene in den Vordergrund, nämlich als erstes die zunehmende "Autologisierung" von Kommunikation, im Sinne von: Wichtig ist nicht, was kommuniziert wird, sondern, daß kommuniziert wird, und als zweites die zunehmende Kontingenz von Kommunikation, denn alles, was kommuniziert wird, könnte auch anders kommuniziert werden.
In der CMC tritt der Mensch in einem überwiegend optisch-akustischen Verhältnis in Verbindung zu einer Welt, die den Filter der Digitalisierung passiert hat. Man könnte von einer Reduktion im Sinne einer Verdichtung der Wahrnehmung sprechen. Demgegenüber zeigt aber die systemische Perspektive, daß Existenz- und Objektbestimmungen immer nur sprachlich möglich und gegeben sind. Es wird in der systemischen Sichtweise auch von parallel existierenden Multiversa anstelle eines unabhängig von Individuen existenten Universums gesprochen. Eben weil Welt immer auf den Wahrnehmungs-, Bewußtseins-, und Manipulationspunkt des aktiven Betrachters zurückgeführt werden, ist dies in der CMC nicht anders als sonst wo, es tritt vielleicht nur erstmals in der Entwicklung der Menschheit in solch klarer Weise zutage, die durch ebendiese Verdichtung der Sinnlichkeit auf das Optisch-Akustische so anstößig wirkt. Da in der systemischen Sichtweise die Wirklichkeit mehr ist als ein einfaches und einzigartiges Universum und aus vielen verschiedenen, im Grunde genommen für jedes Individuum unterschiedlichen Multiversa besteht, führt sich jede Rückführung auf eine "eigentliche" Realität ad absurdum. Das, was bislang als die "eigentliche" Realität bezeichnet wurde, erweist sich somit als eines der vielen Multiversa, das aber bislang besonders vertraut war und angesichts der Erschaffung neuer Multiversa in einer ersten instinktiven Reaktion in Verlust zu geraten droht. Doch wird im Grunde genommen nur die Vielfältigkeit der Realität, die den Menschen umgibt, durch eines bzw. mehrere neue Multiversa erweitert.
Wenn nach Scheler der Mensch ein umweltoffenes Lebewesen ist, dann befindet er sich vielleicht gerade auf dem Weg zu einer ganz neuen Umwelt, die durch Simulation entsteht. Die Anpassung der Umwelt nicht mehr durch Veränderung der vorhandenen Umwelt, sondern durch die Simulation einer, zwar auf der Basis der bestehenden, dennoch aber gänzlich neuen Umwelt, ist möglicherweise ein erster Schritt in diese Richtung, der mit der CMC vollzogen wird. Es würde dann diese Weiterentwicklung der Umwelt ganz dem ursprünglichen Wesen des Menschen entsprechen. Der Mensch hebt sich letztendlich durch die komplette Simulation seiner Umwelt ultimativ von seiner bisherigen materiellen Umwelt ab und entfernt sich damit aber auch noch weiter von einer umweltgebundenen und instinktgesicherten Lebensweise des Tieres.