McLuhan (McLuhan 1992) vertritt die Ansicht, daß jedes neue Medium eine Umwelt formt, die weite kulturelle Schatten wirft. Sobald eine neue Umgebung festgestellt wird, transformiert das sie zu einer alten Umgebung. Die alte Umgebung wird Teil der gegenwärtigen operativen Umgebung. Jede Medienumgebung kontrolliert, wie die Benutzer denken und wie sie sich verhalten. Jede Medienumgebung verändert die Verwendung der menschlichen fünf Sinne, jede Umgebung verändert die Art und Weise wie wahrgenommen wird und wie reagiert wird. McLuhan ist der Meinung, daß jede neue Technologie die Funktion der Sinnesorgane verändern und damit die Wahrnehmung der Realität verändert. Es könnte nach Turkle (Turkle 1984) sein, daß die Computertechnologie nicht nur die Wahrnehmung der Realität ändert, sondern auch die Wahrnehmung der eigenen Person, des eigenen Selbst, der eigenen Identität. Turkle fokussiert auf den "subjective computer" (Turkle 1984). Er teilt das soziale Leben mit den Menschen und wirkt sich auch in der psychologischen Entwicklung aus. Als ein Produkt des menschlichen Geistes beeinflußt er die Art und Weise, wie der Mensch denkt, besonders wie der Mensch über sich selbst denkt.
Das Konzept eines "konstruktivistischen Lernens" wurde erstmals von Papert (Papert 1991) geprägt und impliziert zwei Formen von Konstruktion. Paperts Begriff des Konstruktionismus kennzeichnet Lernen als einen aktiven Prozeß, in dem Menschen aktiv aus den Erfahrungen in der Welt Wissen konstruieren. Diese Idee basiert auf den Theorien von Piaget und an dieses Grundkonzept fügt der Konstruktionismus die Idee an, daß Menschen neues Wissen dann mit höherer Effizienz konstruieren, wenn sie in die Konstruktion von persönlich bedeutungsvollen Produkten miteingebunden sind. Dem lernenden Menschen wird in der Auseinandersetzung mit seiner Umwelt eine grundlegend aktive Rolle beigemessen. Wer selbstgesteutert lernt, trifft eigene Entscheidungen über Ziele, Inhalte, Medien und Methoden seines persönlichen Lernvorhabens (Vgl. Reiter 1998). Mittels CMC werden neue Realitäten konstruiert, wie z. B. MUDs, die sich die meiste Zeit im Zustand des Aufbaus und des Wiederaufbaus bzw. Umbaus durch ihre Teilnehmer befinden und die daher zur Entwicklung neuen Wissens führen können.
Der radikale technische Determinismus sieht Technologie allgemein als ausreichende Bedingung für die Bestimmung weitreichend sozialen Wechsels, oder zumindest als notwendige Bedingung. Vertreter dieser Sichtweise insistieren darauf, daß CMC die Gesellschaft und die Art und Weise des Denkens radikal verändern wird. Der gemäßigte technologischer Determinismus sieht Technologie als den Schlüsselfaktor, der soziale Veränderungen erleichtern wird. Demgegenüber präsentiert der soziokulturelle Determinismus Technologie und Medien völlig untergeordnet zu Entwicklung eines spezifischen soziopolitischen, historischen und kulturellen Kontextes.
Die postindustrielle westliche Sichtweise des universellen Zugangs zum Wissen durch alle Individuen impliziert eine spezifische Konstruktion des Individuums als den primären Handelnden, der die Fähigkeit hat, alles das zu wissen, was er oder sie wissen möchte. Von frühester Kindheit an wird in der westlichen Welt die Idee eines autonomen Individuums, das die Freiheit zu wählen und zu handeln hat, eingeprägt. Diese Konstruktion des Selbst und der Persönlichkeit ist nach Baderr und Nyce (Baderr und Nyce 1993) äußerst konsistent mit der Welt der digitalen Informationsverarbeitung und -übermittlung mit ihrer implizierten Ideologie des freien und offenen Zuganges zu Informationen bzw. zu Wissen. Die geschilderten Muster widersprechen scharf traditionelleren Gesellschaften, die eine mehr kommunale Sichtweise des sozialen Lebens enthalten und nicht das westliche Ideal dieses ausgeprägten Individualismus besitzen. Vielmehr ist das Gehorchen von Gruppenwerten und Normen, die zu einem größeren gemeinsamen Gut beitragen, das bevorzugte Verhaltensideal. Wie die meisten traditionellen Gesellschaften beinhaltet dies eine Restriktion des Wissens in dem Sinne, daß beschränkt wird, was ein Individuum wissen darf bzw. welche bestimmte Subgruppe Zugang zu einem definierten Wissen hat oder auch nicht. Diese Restriktionen sind meist mit Alter und sozialem Status oder mit einem rituellen oder spirituellen Kreislauf verbunden.
Der historische Kolonialismus basierte immer auf einer physischen Präsenz der Kolonialmacht in der jeweiligen geographischen Region. Nach Cooks (Cooks 1995) erlauben die technologischen Entwicklungen der Informations-Technologien demgegenüber einen Imperialismus ohne physische Präsenz im jeweiligen Land.
Das Internet könnte zu einem Mittel werden, um Meinungsfreiheit zu sichern und den Zugang zu Information für jeden zu ermöglichen. Doch diese Ansicht bzw. Haltung steht im eindeutigen Gegensatz zu traditionellen Wissenstheorien. Das könnte zu einem Konflikt der westlichen Ideologien des offenen Zugangs zu Wissen mit traditionelleren östlichen Gesellschaftsidealen der Wissensbeschränkung führen.
Netsurfer sind nach Serloth (Serloth 1996) zwar überwiegend hochgebildet, aber es zeigt sich auch, daß der Faktor Einkommen nicht die erwartete Rolle spielt. Bei Onlinediensten dominieren einkommensschwache User. Ausschlaggebend dafür ist weniger der hohe Anteil an Studenten in der Nutzerschaft, als vielmehr der generell geringe Altersdurchschnitt der Surfer. Beinahe ein Drittel der Netsurfer ist von der enormen Informationsfülle überfordert und bewegt sich daher ziel- und ergebnislos durch den Cyberspace. Lediglich ein kleiner Teil nutzt das Medium mit der adäquat hohen Effizienz und Selektivität, die rein technisch problemlos möglich wäre. Via Onlinediensten wird also viel Information bewegt, aber nur wenig Wissen. Es ergibt sich - zumindest derzeit - kein unmittelbarer Bildungsnachteil für minderpriviligierte Nichtuser. Der sogenannten Wissenskluft-Hypothese zufolge profitieren Personen mit hoher Bildung ungleich mehr von medienvermittelnder Information als weniger Gebildete, denen oft nur ihr Nichtwissen bestätigt wird. Onlinedienste ansich haben das Potential, sowohl Wissensklüfte zwischen unterschiedlichen Nutzerschichten zu verringern, als auch zu vergrößern. Forschungen haben nach Serloth ergeben, daß nicht, wie meist befürchtet, die Wissenskluft durch das Internet vergrößert wird, sondern es zeigen sich ausgleichende Effekte, das heißt, das Internet verringert Wissensklüfte und ist demokratie-, medien-, wie bildungspolitisch daher wünschenswert.