Christa Oppenheimer (Hg.). Die Sehnsucht nach dem Anderen. 

Texte und Betrachtungen aus und über die Psychiatrie. 

Afra Verlag, 1999.

 

  

 

Dieser Band lässt Texte von Menschen sprechen, die auch in psychischen Krisen noch in der Lage sind, ihrer inneren Verfassung schriftlich Ausdruck zu geben und ihrer sozialen Umgebung einen Schlüssel zum Verstehen zu liefern. In einer „Art“ Anthologie werden ihre Gefühle, Gedanken, Wahrnehmungen und Auseinandersetzungen mit der Umwelt zugänglich. Die Texte sprechen in ihrer Ursprünglichkeit und Eindringlichkeit für sich selbst, sie können nicht von „literarischen“ Maßgaben eines Kulturkritikers abhängig sein.

Schreiben ist hier als Medium eingesetzt, um die Brüche zwischen dem eigenen Erleben, dem Fühlen und Wahrnehmen mit dem Schein des traditionellen Normalen zu vermitteln. Es bildet die Brücke zum Flanieren zwischen den Welten, überwindet Grenzen und ist die Suche nach der Anerkennung durch den Anderen.

Die Beiträge der Betrachtungen erörtern interdisziplinär die Bedeutung des Schreibens und Lesens zur Selbst-Konstruktion, eine mögliche Affinität von Kunst, Psychiatrie und Gesellschaft und last not least die Bedeutung einer Dialektik von krank-gesund im psychiatrischen Umfeld. Wobei eine Ethik der Verantwortung in ihrer Anerkennungsbedeutung für das Selbst und den Anderen beleuchtet wird.

Das Buch ist ein Versuch aufzuzeigen, wie Schreiben zur Identitäts-Suche eingesetzt wird, als eine besondere Form des kulturellen Umgangs, um gesellschaftliche Brüche zu verbinden, die Geltung kultureller Ordnung auf die Sinnabhängigkeit zu hinterfragen und Widersprüche aufzudecken.