Büro für brauchbare Texte

Es gibt, einer Interviewanfrage zufolge, eine “neue Lust am Denken”. Der IQ schlägt angeblich zurück. “Könnte diese Entwicklung eine Chance auf eine nachhaltige gesellschaftliche Veränderung haben?”

Hier der Versuch, dazu brauchbare Sätze zu produzieren.

Philosophie unterscheidet sich von den meisten Wissenschaften dadurch, dass sie sich an Interessen und Fähigkeiten richtet, die jeder Mensch mitbringt und ausbilden kann. Sie bietet seit jeher spezialisierte Denkarbeit, aber auch Orientierung für “die Frau auf der Straße”.

Augustinus, Schopenhauer, Nietzsche, Sartre und Foucault werden schon lange aus allgemeinem Interesse gelesen. Es galt als schick, sich auf neue Strömungen (Existenzialismus, Strukturalismus, Dekonstruktion, Neurophilosophie) zu beziehen.

Geändert hat sich die Vermittlungsform. Früher gab es vorzugsweise allgemeinverständliche Bücher und Broschüren philosophischer Autoren. Heute sind Philosophische Cafes, Philosophische Quartette und Journale dazugekommen. Wie man am beigelegten Foto sehen kann, konkurriert Nietzsche mit Amy Winehouse und Strauss-Kahn. Daraus würde ich keinen neuen Trend ableiten, eher ein Zeichen dafür, wie vielfältig die Materialien sind, die in den Eintopf der Mediengesellschaft einbezogen werden.

Heteronormo – what?

Bild 1 und Bild 2.

Ohne Kommentar, im Anschluss an den Beitrag von Andreas Kirchner.

Mittwoch, 27. Mai 2009, 18.30 Uhr:

Feministische Theorie und Gender Studies

Antke Engel:

Liebe queer? Direkt ins Herz der Heteronormativität?

Was könnte es heißen, Liebe queer zu denken? Ist Liebe nicht immer queer? Wenn wir Liebe nicht mit der heterosexuellen Romanze verwechseln oder mit Gottes Überschwang oder mit einer anthropologischen Universalie, die die kleinliche Unterscheidung von Hetero- und Homosexualität überwindet, entsteht Raum für die Fragen, wann und wo queer geliebt wird. Vielleicht auch: Wie queer lieben? In Kooperation mit mehreren visuellen künstlerischen Arbeiten (Rashawn Griffi, Pauline Boudry / Renate Lorenz und Angelina Maccarone) möchte ich Bilder davon entstehen lassen, was das Herz der Heteronormativität queered.

Antke Engel ist freie Wissenschaftlerin und Philosophin im Bereich feministischer und queerer Theorie und derzeit Research Fellow am Institute for Cultural Inquiry / Kulturlabor (ICI Berlin).

dih

Der Chaos Computer Club und der Poststrukturalismus

Ich finde es spannend und beeindruckend, dass der CCC philosophische Podcasts ausstrahlt, in der der pragmatisch und nach Greifbaren orientierte Informatiker konfrontiert wird mit dem historisch-umsichtigen und nicht-greifbaren Philosophen, gerade weil es dadurch zu liebenswürtigen Urteilen oder Verständnisschwierigkeiten kommt. Beide müssen sich dazu überwinden, die Sicht des Anderen zu bedenken, die Prioritäten des Anderen zu bemerken und auf sie einzugehen:

Ein Fragment:

Philosoph: Die Philosophie “hat das Problem, dass ihr Arbeitsmittel braun geworden ist”.
Informatiker:
Braun? Im Sinne, von… Scheiße!?
Philosoph:
Es ist opak.
Informatiker
: Es ist opak!
Philosoph
: …Es sollte aber möglichst glasklar sein.
Informatiker
: Ah, verstehe. Es ist sozusagen getrübt.
Philosoph: Die Vernunft [...] fassen wir jetzt mal als Apparat. Diese Vernunft muss
aber auch zu einem Verhältnis zu sich selber zu Urteilen kommen. Eine Reflektion – Repräsentation. Denn wenn sie sich über sich selbst nicht Rechenschaft legen kann, wie soll sie dann vernünftige Urteile über den Rest der Welt ablegen. Das kann sie aber nur mittels der Sprache. Doch eigentich ist sie doch der Sprache übergeordnet, aber die Sprache ist ein Phänomen, für die Vernunft eigentlich dafür gedacht ist, dass sie sie zu beurteilen hat. Und damit kommen wir in einen erstmal nicht lösbaren Widerspruch…

Und ein Anderes:

Informatiker: Verzeih mir meine plumen Versuche, das rüberzubringen [...] War das wirklich was konkretes? Philosohpie ist immer so unkonkret. Wie so ein Fisch im Bach, den man versucht zu greifen und der die ganze Zeit hin und herflutscht und sagt: ‘Ne, so einfach ist es nicht, ich muss nochmal kurz nach oben schwimmen.’

Philosoph: Das Problem ist, dass das Instrument gleichzeitig sein Material ist. Du sezierst dich quasi selbst – als lebendes Objekt.

Informatiker: Das ist Software… im Besten Sinne.

Ein schönes, hörenswertes Beispiel für eine fächerübergreifende Diskussion (+ Möglichkeit, darauf Bezug zu nehmen).

keep smiling

Die p.r Expertinnen haben nun “den Auftritt” der Universität aktualisiert. Aus der distanzierten Hülle ist eine bunte, mit wechselnden Inhalten versehene, Erlebniswelt geworden. Die Gestaltung orientiert sich am Standard US-amerikanischer Blog-Sites. Ich kann dem Strategiewechsel nicht widersprechen, auch wenn meine Vorliebe eher dem alten Aussehen gehört.

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Eines allerdings ist traurig: die einfältige Bilderwelt, die nun die Hauptseite schmückt. Ein altes Haus, ein neues Haus und dazwischen viele viele lernbegierige Studentinnen (m/w). Man wollte die Seite lebendig und individuell gestalten und durch die Einschaltung des Terminkalenders und der “Aktuellen Meldungen” ist das auch gelungen. Aber dabei hat man abgebrauchte visuelle Klischees an die Spitze gesetzt. Diese Internationalisierung ist eine Applanierung.

aus klein mach groß

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Noch ein Ferienbild. Dieses erinnert an Claes Oldenburg. Die Daseinsberechtigung des Cafes ins Überdimensionale aufgeblasen. Licht aus den Tassen, die indinvidualisierte Variante der riesigen Plastiktaschen, mit denen eine Lebensmittelkette ihre Filialen schmückt.

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