Zur Leichtigkeit des Seins

Jeder Schüler kann in der Physikstunde durch Versuche nachprüfen, ob eine wissenschaftliche Hypothese stimmt. Der Mensch aber lebt nur ein Leben, er hat keine Möglichkeit, die Richtigkeit der Hypothese in einem Versuch zu beweisen. Deshalb wird er nie erfahren, ob es richtig oder falsch war, seinem Gefühl gehorcht zu haben.

Wenn man in der Schweiz Universität sagt, dann meint man in der Regel eine der beiden technischen Universitäten: die Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETHZ) oder die École Polytechnique Fédérale de Lausanne (EPFL). Anders gesagt, das Verständnis von Universität ist ingenieurswissenschaftlich geprägt. Unterwegs im Zug überquere ich den “Röstigraben”. So fasst man die gefühlten Unterschiede zwischen der Romandie und la Suisse Alémanique zusammen. Es ist eine spezielle Erfahrung: Formal ändert sich fast nichts und doch fühlt es sich anders an. Ich sitze im selben Zug im selben Land. In Lausanne hörte man die Durchsagen zuerst auf Französisch dann auf Deutsch und Englisch. Nach Fribourg/Freiburg wechseln Französisch und Deutsch die Plätze. Auch die Fahrgäste sprechen plötzlich überwiegend etwas dem Deutschen Ähnliches. Die Dynamik (Geräusche, Bewegungen) ändert sich. Dann erreicht mich die folgende Meldung:

Leicht nehme ich diese Meldung nicht und weiß gar nicht wo ich anfangen soll.

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Das mitten-im-Sommer Philosophie Symposium?

Das jährliche internationale Wittgenstein Symposium in Kirchberg am Wechsel steht seit langem unter einer allgemeinen Vorgabe, die nicht mit Wittgenstein zu tun haben muss. Dem Philosophen ist eine Sektion gewidmet, die anderen ergeben sich aus dem Rahmenthema. Diese Entwicklung ist verständlich, denn es ist praktisch unmöglich, ein derart ambitioniertes, wohldotiertes Treffen im Jahresabstand ausschließlich auf den Namensgeber zu fokussieren.

In diesem Jahr geht es schwerpunktmäßig um Ethik und Gesellschaft, mit einer Reihe interessanter Referentinnen. In der Ankündigung der Sektionen haben die Verantwortlichen einen locker flockigen Stil gewählt:

The symposium will be held from August 5th through 11th, 2012, in Kirchberg am Wechsel, Austria. Contributions may address this year’s general topic: “Ethics – Society – Politics”, and/or all aspects of the philosophy, work and life of Ludwig Wittgenstein.

Sections:
1. Wittgenstein
2. Living – Healing – Dying
3. Justice – Society – Economy
4. Power – Ethics – Politics
5. Humanity – Nature – Technology
6. History – Concepts – Theories
7. Knowledge – Truth – Science

Man fragt sich schon, ob das die neue Form des flächendeckenden Universalitätsanspruchs der Disziplin ist. Sie präsentiert sich als Triaden vage assoziierter Substantiva. Interessant, was sich sonst in dieser Weise verbindet. Hier ein Ergebnis für das erste Trio.

Prayers for Healing, Living & Dying

A Fusion of Horizons?

Andreas Kirchner proposes some guidlines concerning the hermeneutic problems raised by Alain Badiou’s philosophical procedures. He has a suggestive way to describe what a (supposed) inconsistency found in a given text does: it triggers a plan B on part of the reader who supposedly wanted to “consume” the text “as is”. Now, there can be a great number of reactions to being faced with (partial) incomprehensibility. One can be confused, angry or overwhelmed. Hermeneutics is a plan B inasmuch it is a rule-governed enterprise, following an established methodology. One of its main rules is the “principle of charity” we have been discussing as applied to Badiou.

I want to make two points: (1) on the charitable view of Badiou’s use of mathematics and (2) on Gadamer’s “fusion of horizons” as an additional hermeneutical principle.

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Kunst kommt von können?

In einem Blog über Computersicherheit finden sich eine Erzählung über die Entwicklung von Schadsoftware und die Überlegung, dass die Erstellung von Computerviren heute keine Kunst mehr ist:

Computerviren in den 90ern wurden von Hand gemacht, teilweise mit Witz in der Erscheinung und mit Einfallsreichtum beim Verstecken vor Antivirensoftware. Heute läuft die Entwicklung von Computerviren weitgehend industrialisiert ab. Sie werden zum Beispiel mit wenigen Clicks durch Viren- und Exploitgeneratoren massenweise produziert. Weiters haben sie nicht den Zweck, die KollegInnen aus der Szene zu beeindrucken oder sich grinsend vorzustellen, wie die Mitarbeiter von Antivirensoftware sich die Nächte um die Ohren schlagen, um den Virus unschädlich zu machen. Es geht nun primär um Zugriff von und Handlen mit sensitiven Daten – oder die Eingliederung von Computern in Botnetzen; viel pragmatischer also.

Den Blog-Autor und Security-Experten Graham Cluley irritieren und amüsieren – diese Erzählung im Hintergrund – die Werke und die Selbstdarstellung der neuen Bilder-Kollektion des Künstlers Bratsa Bonifacho:

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Situations and Horizons

The side-discussion about understanding and the prinicple of charity (see article and comments here) does not seem finished to me. In this context, Gadamer comes to my mind: He speaks about the prejudice of perfection (of sense) that gets irritated as soon as the attempt to consider the text as true breaks down (Wahrheit und Methode, Bd. 1., ed. by Mohr, Tübingen 1990, p.299). That such a breakdown is possible indicates that “understanding is primarily to understand the case” and not the text as sequence of strings. In understanding the case, it is possible that something resists to fully accept the text, because the text cannot (always) create the topic/case it is talking about. The resistance could stem from (fruitful) prejudices or because of explicitly formulated judgments. Anyway, if the attempt to consider the text as adequate breaks down, it can lead – as a plan-B – to the effort ‘to understand’ the opinion of the other psychologically or historically.

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