March 25, 2004

media theory: communities

das problem mit - und das gute an - der medien-perspektive ist, dass sie verlangt, sich den common sense abzugewöhnen. in der medienwelt geht es zuerst eben nicht um "leute", "menschen", "gefühle", die "vermittelt" und "ausgedrückt" werden. sondern es geht genau um den umgekehrten prozess.

Wobei das interessante am web und an der neuen medien-kultur ist, dass sich der common sense selbst zu ändern scheint: er wird postmodern.
was vorher als hyperabstraktes akademische geheimwissen gehandelt und behandelt wurde, wird nun für jeden blogger und big brother-fan offensichtlich:

eine community besteht nicht aus leuten. sie besteht aus kommunikationen.
(vgl. foucault, vgl. luhmann.)

so wie auch eine party nicht aus leuten besteht, sondern aus kommunikationen.
so wie ein blog nicht aus gedanken besteht, sondern aus kommunikationen.
so wie die blogosphere aus einer struktur von kommunikationen besteht.

und umgekehrt gilt dasselbe:

da, wo ein cluster oder eine wolke von kommunikationen sich bildet, relativ stabil in der zeit durch regelmäßige updates, da entsteht ("emergiert") eine community. d.h. eine eigenständige einheit, die dann selbst wieder kommunikationen erzeugt/provoziert.

die einzahl von community ist "person".

("ich bin in der überzahl" - das scheint übrigens von herzogs fitzcarraldo-film zum post-sponti-sprüchlein heruntergekommen zu sein.)

deshalb bedeutet also auch blogging "writing yourself into existence" (david weinberger-zitat). was aber anders auch normale konversation gilt: "speaking yourself into existence".

Posted by martin at March 25, 2004 10:26 PM
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